Energielösungen

Photovoltaik im Unternehmen: So rechnen Sie die Wirtschaftlichkeit richtig

Von SYSTEM – die InnovationsberaterStand: Lesezeit ca. 7 Min.

Kurz gesagt: Eine gewerbliche PV-Anlage rechnet sich vor allem über den Eigenverbrauch. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom zum vollen Preis, eingespeister Strom bringt deutlich weniger. Deshalb wird eine Anlage nach dem Lastgang ausgelegt – nicht nach der maximalen Dachfläche.

Welche Faktoren bestimmen die Wirtschaftlichkeit?

  1. Eigenverbrauchsquote: Anteil des Solarstroms, den der Betrieb selbst nutzt. Tagbetriebe mit Klimatisierung, Kühlung oder Maschinen erreichen hohe Werte.
  2. Netzstrompreis: Je teurer der Bezug, desto mehr ist jede eigene Kilowattstunde wert.
  3. Investition: abhängig von Größe, Dachart, Montagesystem, Netzanschluss und gegebenenfalls Dachertüchtigung.
  4. Ertrag: Standort, Ausrichtung, Neigung und Verschattung. In Deutschland liegen gut ausgerichtete Anlagen grob zwischen 900 und 1.150 kWh je kWp und Jahr – im Süden eher höher, im Norden eher niedriger.
  5. Steuer und Förderung: Investitionsabzugsbetrag, Abschreibung und Förderkredite verändern Liquidität und Rendite.

Wie sieht eine einfache Beispielrechnung aus?

Annahmen für ein Beispiel, keine Prognose: 100 kWp Dachanlage, 1.000 kWh je kWp und Jahr, 70 % Eigenverbrauch, Netzstrompreis 25 ct/kWh netto, Einspeiseerlös 6 ct/kWh, Investition 105.000 € netto.

PositionWert pro Jahr
Solarstrom100.000 kWh
davon selbst genutzt (70 %)70.000 kWh
vermiedener Netzbezug (70.000 kWh × 25 ct)17.500 €
Einspeiseerlös (30.000 kWh × 6 ct)1.800 €
Summe19.300 €
Überschlägige Amortisation (105.000 € ÷ 19.300 €)ca. 5,4 Jahre

Nicht enthalten sind Wartung, Versicherung, Degradation, Preisänderungen, Finanzierung und Steuereffekte. Eine belastbare Rechnung berücksichtigt diese Punkte – und vergleicht Varianten mit und ohne Speicher.

Wie lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen?

  • Lastverschiebung: Prozesse, Kälte oder Druckluft in sonnige Stunden legen.
  • Speicher: Überschüsse vom Mittag in den Nachmittag oder Abend verschieben.
  • Ladepunkte: Firmenfahrzeuge tagsüber mit Solarstrom laden – siehe Ladeinfrastruktur.
  • Wärme: Eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher nutzt Solarstrom thermisch.
  • Ausrichtung: Ost-West-Belegung verteilt die Erzeugung über den Tag und senkt Mittagsspitzen.

Was ändert das Solarspitzengesetz?

Für neue Anlagen entfällt die Vergütung in Zeiten negativer Börsenstrompreise. Das macht Einspeisung unattraktiver und Eigenverbrauch wertvoller. Details im Beitrag Solarspitzengesetz: Was Unternehmen beachten sollten.

Welche Fehler sollten Sie vermeiden?

  • Anlage nach Dachfläche statt nach Lastgang dimensionieren.
  • Den Dachzustand nicht prüfen – eine Sanierung nach der Montage ist teuer.
  • Steuerliche Effekte erst nach der Investition klären: Der Investitionsabzugsbetrag muss vorher geltend gemacht werden.
  • Nur den Preis pro kWp vergleichen statt Ertrag, Komponenten, Service und Netzanschluss.

Für eine erste Einschätzung Ihres Standorts nutzen Sie den Energie-Analyser.

Häufige Fragen

Ab welcher Größe lohnt sich Photovoltaik im Gewerbe?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, dass ein großer Teil des Solarstroms im Betrieb verbraucht wird. Schon kleinere Anlagen können sich lohnen, wenn tagsüber kontinuierlich Strom gebraucht wird.

Wie lange hält eine PV-Anlage?

Module sind in der Regel auf eine Nutzungsdauer von 20 Jahren und mehr ausgelegt; Wechselrichter werden in diesem Zeitraum oft einmal getauscht. Beides gehört in die Wirtschaftlichkeitsrechnung.

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